Geschichte

Die Vorkoloniale Zeit der Insel und des Staates Mauritius


Die Inselgruppe der Maskaranen, zu denen Mauritius, Rodrigues und auch Reunion gehören, ist etwa vor acht Millionen Jahren entstanden. Die Entstehung der Inselkette wird auf vulkanische Aktivitäten im südwestlichen Gebiet des Indischen Ozeans zurückgeführt. Legenden und Erzählungen zufolge sollen bereits die Phönizier und Malaien auf den Reisen von Madagaskar nach Indonesien die Insel Mauritus entdeckt haben, wofür es jedoch keinerlei Nachweise gibt. Da Mauritius bereits auf alten arabischen Seekarten eingezeichnet ist, wird belegt, dass die Araber die Insel Mauritius bereits im 10. Jahrhundert nach Christus gekannt haben. Von den Arabischen Seefahrern wurde Mauritius zuerst als Dina Harobi – die verlassene Insel – bezeichnet. Später soll der Name der Insel von den Arabern auf Dina Robin – die Silberinsel – umbenannt worden sein. Spuren und Überreste auf Mauritius aus den Zeiten der Araber sind auf der Insel allerdings nicht zu finden, da sich diese nicht auf der Insel niederließen. Die Araber waren vorwiegend Händler und nutzten die Zwischenstation bei der Insel Mauritius nur zur Erholung und auch zur Aufnahme von Nahrungsmitteln und von Trinkwasser für die weitere Reise.

 

 


Die Kolonialzeit auf der Insel Mauritius


1507 bis 1598 – die Portugiesische Zeit der Insel Mauritius


Die Inselgruppe der Maskarenen, zu denen auch Mauritius gehört, ist bereits auf einer portugiesischen Karte aus dem Jahr 1502 eingezeichnet. Ob dies durch die Übernahme der Daten aus einer arabischen Karte entstanden ist, oder die Insel bereits vor der offiziellen Entdeckung durch Diego Fernandez Pereira im Jahr 1505 (wobei andere Quellen eine Entdeckung im Jahr 1507 oder gar 1510 angeben) von einem Europäer entdeckt wurde, kann nicht exakt festgelegt werden. Nach der offiziellen Entdeckung erhielt die Insel den Namen Ilha do Cerne – die Schwaneninsel. Etwa 10 Jahre nach der offiziellen Entdeckung sichtete der Portugiese Pedro Mascarenhas die Inselgruppe, die im Jahr 1620 offiziell nach ihm benannt wurde und auch heute noch den Namen Maskarenen trägt.
Portugal nutzte Mauritius allerdings nicht als dauerhafte Kolonie, da sie in der Insel keinen nützlichen Anlaufhafen sahen aufgrund der isolierten Lage. Wie auch die Araber in der Vorkolonialen Zeit, nutzten die Portugiesen Mauritius nur, um für den Seeweg die Vorräte an frischem Wasser und Nahrungsmittel aufzufüllen. Gleichzeitig brachten die Portugiesen auch Rinder, Schweine und Affen in die Tierwelt auf Mauritius ein.


1598 bis 1710 – die Niederländische Zeit der Insel Mauritius


Im Jahr 1598 startete eine niederländische Expedition mit 8 Schiffen von den Niederlanden aus. Aufgrund der stürmischen See wurden die 8 Schiffe nach der Passage des Kaps der guten Hoffnung getrennt und 5 der Schiffe nahmen eine südöstlichere Route als die anderen 3 Schiffe, die Madagaskar erreichten. Diese 5 Schiffe kamen so in Sichtweite einer Insel, der Sie den Namen „Prins Maurits van Nassaueiland“ gaben – die Namensgebung erfolgte in Anlehnung an den Prinzen Moritz von Oranien aus dem Hause Nassau. Somit war dieser der Namensgeber der heutigen Insel Mauritius. Seit dem Jahr 1606 war die Insel ein Anlaufhafen der niederländischen Schiffe, die auf dem Weg von den Niederlanden nach Indien waren. Die darauf folgende Niederländische Kolonialisierung begann im Jahr 1638 und endete im Jahr 1710. Im Jahr 1638 wurde von Cornelius Gooyer die erste feste Siedlung auf Mauritius gegründet. Im selben Jahr wurden die Nachbarinseln Rodrigues und Reunion von Frankreich in Besitz genommen. Für das Ziel, das Ebenholz auf Mauritius zu exportieren, wurden Sklaven aus Madagaskar eingesetzt. Zahlreiche Madegassen wurden in den darauf folgenden Jahren auf Mauritius versklavt. Als im Jahr 1710 das Ebenholz auf Mauritius fast vollständig abgeholzt und auch die Tierbestände auf der Insel nahezu ausgerottet waren, verließen die Niederländer Mauritius endgültig.
Dennoch blieben auf der Insel zahlreiche niederländische Namen erhalten – natürlich auch der Name der Insel Mauritius. Neben vielen Bezeichnungen der Städte und Regionen wurde zum Beispiel auch der zweithöchste Berg auf Mauritius nach einem Niederländer – Pieter Both – benannt. Auch der Anbau von Zuckerrohr auf Mauritius geht auf die niederländische Zeit auf der Insel zurück.


1710 bis 1715 – die Zeit der Piraten auf Mauritius


Nach dem Verlassen der Insel durch die Niederländer setzten sich dann Piraten auf der Insel fest. Die Seeräuber begannen bereits ab Mitte des 17. Jahrhunderts, sich im Indischen Ozean auszubreiten wegen der lukrativen Beutezüge auf den Schiffsrouten der Handelsschiffe. Die Abgelegenheit und die isolierte Lage von Mauritius war für die Piraten ein idealer Ausgangspunkt für ihre Aktivitäten. Die zunehmenden Überfälle auf die Handelsschiffe von Mauritius aus fügten der Handelsschifffahrt einen enormen Schaden zu, sodass Frankreich eingriff und die Piraten schließlich von Mauritius vertreiben konnte.


1715 bis 1810 – die Französische Zeit auf Mauritius


Nach der erfolgreichen Vertreibung der Piraten von der Insel Mauritius wurde diese zur französischen Kolonie. Die Franzosen nannten die in Besitz genommene Insel Ile de France – Insel Frankreichs – und begannen im Jahr 1721 mit der Besiedlung von Mauritius. Damals lebten etwa 15 Kolonisten und einige Sklaven auf Mauritius. Im Jahr 1735 wurde die heutige Hauptstadt von Mauritius Port Louis gegründet. Der damalige Gouverneur Mahe de Labourdonnais errichtete in Port Louis seinen Gouverneurstützpunkt und die neu gegründete Stadt diente als Flottenstützpunkt und Schiffbauzentrum auf Mauritius – der damaligen Ile de France. Die Zuckerrohrplantagen, die heute noch das Bild der Insel Mauritius prägen, wurden in der französischen Zeit errichtet und von unzähligen Sklaven unter der Herrschaft der Franzosen bewirtschaftet. Im Jahr 1744 folgte auch die Eröffnung der ersten beiden Zuckerraffinerien auf Mauritius. Allerdings waren die nachfolgenden Gouverneure nicht in der Lage, den wirtschaftlichen Aufschwung der Insel Mauritius aufrechtzuerhalten. Die Französische Ostindienkompanie ging aufgrund des siebenjährigen Krieges bankrott und ab  dem Jahr 1767 bis zum Jahr 1810 war die Insel Mauritius dann eine französische Kronkolonie. Die bis Anfang des 18. Jahrhunderts gar nicht oder nur sehr dünn besiedelte Insel war im Jahr 1776 bereits mit 33.536 Menschen besiedelt, was bei einer Volkszählung errechnet wurde. Allerdings handelte es sich bei etwa 85 % der Bevölkerung der Insel Mauritius damals um Sklaven. Die Französische Revolution von 1794 bis 1803 und die Abschaffung der Sklaverei bewegten die Kolonisten auf Mauritius, sich von Frankreich loszusagen und unabhängiger von Frankreich zu werden. Der Handel mit anderen, neutralen Ländern wurde verstärkt. In den Jahren 1805 und 1806 wurden etwa 200 Schiffsladungen allein nach Amerika gebracht – der Export florierte. Dadurch gewann die damalige Ile de France die Aufmerksamkeit der Briten, die bereits im Jahr 1794 die Seychellen in Besitz genommen hatten. Da die Ile de France den Korsaren Unterschlupf gewährte, die verstärkt Raubzüge gegen die Briten vollzog, die bis in das Jahr 1810 andauerten, wurde seitens der Briten eine kampfstarke Flotte nach Mauritius gesandt, um dem ein Ende zu bereiten.


1810 bis 1968 – die Britische Zeit auf Mauritius


Anfangs konnten sich die Franzosen noch gegen die Angriffe der Briten wehren, aber am 3. Dezember 1810 waren die Briten den Franzosen so stark überlegen, dass die Franzosen schließlich kapitulierten. Gemäß dem Vertrag von Paris im Jahr 1814 ging die ehemalige Ile de France zusammen mit Rodrigues und den Seychellen in den Besitz von Großbritannien über. Danach wurde die Insel auch wieder in Mauritius umbenannt. Somit war Mauritius ab 1814 eine britische Kronkolonie und gehörte dadurch auch dem Britischen Empire an. Trotzdem nahmen die Engländer keinen großen Einfluss auf die übrigen Geschehnisse auf Mauritius – so blieben viele französische Institutionen erhalten und auch die französische Sprache war auf Mauritius in den Anfangszeiten vorherrschend.
Im Jahr 1864 wurde die im Zuge der Verbesserung der Infrastruktur, die aufgrund der aufstrebenden Wirtschaft notwendig war, die erste Eisenbahnlinie von Port Louis nach Flacq eröffnet. Auch das Postwesen wurde entsprechend verbessert. Im Jahr 1847 folgte der Druck der ersten Briefmarken, die als Rote und Blaue Mauritius Berühmtheit erlangten. Da im Jahr 1835 die Sklaverei durch die Briten abgeschafft worden war, folgte Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund der immer weiter expandierenden Zuckerindustrie die Einwanderung zahlreicher Vertragsarbeiter aus Indien, die auf Mauritius als Kuli bezeichnet wurden. Da es sich die meisten Vertragsarbeiter nach Ablauf des Arbeitsvertrags von 5 Jahren nicht leisten konnte, in die Heimat zurückzukehren, blieben diese weiter auf der Insel Mauritius. Dies hatte in den folgenden Jahren immer mehr Konflikte zwischen der franko-mauritischen Bevölkerung und der indo-mauritischen Bevölkerung zur Folge. Nach der Eröffnung des Suez-Kanals im Jahr 1869 verlor die Insel Mauritius als Anlaufstelle für zahlreiche Schiffe immer mehr an Bedeutung. Der vermehrte Zuckerrohranbau in der Karibik und der Anbau von Zuckerrüben in Europa ließ zudem den Preis für Zuckerrohr auf dem Weltmarkt sinken, was zu einer Wirtschaftskrise auf Mauritius führte.
Bereits im Jahr 1947 begann langsam der Weg in die Unabhängigkeit der Insel Mauritius. Das neue Wahlgesetz ermöglichte es jedem Mauritier, der über 21 Jahre alt war und lesen und schreiben konnte, zu wählen Dadurch wurden auch die bisherigen Machtverhältnisse verändert, da nun deutlich mehr Inder wahlberechtigt waren, wodurch auch eine entsprechende Mehrheit der Indo-Mauritier erreicht wurde. Die bereits aktive Unabhängigkeitsbewegung wurde zunehmen noch verstärkt, als die britische Regierung im Jahr 1961 eine mögliche Unabhängigkeit für Mauritius in Aussicht stellte. Im Jahr 1967 wurden Wahlen durchgeführt, die vor allem das Ziel hatten, festzustellen, ob die Bevölkerung von Mauritius auch tatsächlich eine Unabhängigkeit wollte. Das Ergebnis der Wahl hatte dann die Unabhängigkeit der Insel Mauritius ab dem Jahr 1968 zur Folge.


Ab 1968 – die Unabhängigkeit der Insel Mauritius von der Kolonialmacht Großbritannien

 

Am 12. März 1968 war die Insel Mauritius nach 150 Jahren britischer Kolonialherrschaft und der vorangegangen Jahre unter Kolonialherrschaften unabhängig und gehörte fortan auch nicht mehr zum British Empire. An die von Großbritannien gewährte Unabhängigkeit war allerdings eine Bedingung geknüpft – die Insel musste den Chagos-Archipel, der bereits unter der französischen Herrschaft von Port Louis aus verwaltet wurde, an Großbritannien übergeben. Großbritannien verpachtete den Archipel an die USA. Die Einwohner dort wurden in den folgenden Jahren nach Mauritius und auf die Seychellen umgesiedelt – dies sorgte für einige Verstimmungen zwischen den USA und Mauritius, die sich bis heute nicht ganz gelegt haben.
Im Jahr 1992 wurde auf Mauritius eine neue Verfassung eingeführt und Mauritius wurde zu einer unabhängigen Parlamentarischen Republik im Commonwealth.